3. Mai 2018

Sco2018 - Tag 2 - Mehr Munros und noch mehr Wetter

Distanz: 22km
Anstieg: 1050m


Der nächste Morgen war nicht genau das was wir erhofft hatten oder was die Vorhersage angekündigt hat (vorgestern, beim letzten Mal Internet). Es nieselte noch immer, aber was eigentlich schlimmer war, war die geschlossene Wolkendecke bei ca. 700m in der alle Berge und Gipfel verschwanden. Carn Dearg, der Munro hinter der Culra bothy war in den Wolken genau wie alle anderen umliegenden Gipfel.


Der nächste Morgen. Finde den Unterschied.

Während des Frühstücks diskutierten wir unsere Optionen, die recht bescheiden waren. Wir konnten das Wetter aussitzen und auf Besserung warten und hoffen oder aber trotzdem die geplante Tour laufen und dann ggf. Anpassungen vornehmen. Da wir letztlich nur noch 3 Tage hatten und bereits übermorgen wieder am Auto sein mussten, entscheiden wir uns für die Tour, auch wenn wir sehr wahrscheinlich nichts sehen sollten. Zur not konnten wir daheim die Wandertouren von anderen im Netz lesen und so erfahren, wie die sicht von oben ausgesehen hätte.
Mit dieser Entscheidung starteten wir und liefen zurück zur kleinen Brücke nahe der Bothy. Wir warfen nochmals einen Blick hinein und trauten beim wieder heraus kommen unseren Augen nicht. Nahe der Bothy stand ein Grüppchen von 4 Mountainbikern welche Abfahrtsski incl Stiefel zum Transport an den Rädern befestigt hatten und nun flussaufwärts entlang des Pfades fahren wollten. Es gelang uns leider nicht herauszufinden, was die Radler/Skifahrer vor hatten aber ich vermute sie waren auf dem Weg zu einem größeren Schneefeld.


In der Bothy


Ski-Biking? Bikeskiing? Was immer die Radfahrer vorhaben, es sieht interessant aus!


Ein ziemlich grauer Tag

Wir querten die Brücke und wanderten die 600m bis zu den Zelten auf der anderen Bachseite wieder flußaufwärts. Es war schon seltsam einen Steinwurf von den Zelten entfernt zu stehen und sie trotzdem nicht zu erreichen. Der Pfad führte uns weiter hinauf in Richtung Ben Alder, allerdings verließen wir ihn auf rund 650m und liefen weglos in Richtung der Nordflanke des Beinn Bheoil nahe des Schotterfelds Sron Dreineach. Oben (auf 800m) war die Sicht weg. Stattdessen war die Sicht gering (vllt 50m) und ein kräftiger Wind blies den Nieselregen in alle Ritzen der Regensachen die wir bereits beim Anstieg angezogen hatten.
Die langgezogene Ridge schien sich ewig hinzuziehen bis wir endlich am Gipfel (1019m) ankamen. Natürlich hatten wir keinerlei Sicht nach irgendwohin und so blieben wir nicht lang sondern wanderten weiter in Richtung Sattel zwischen Beinn Beoil und Ben Alder. Etwa einen Kilometer weiter verloren wir unseren Freund (zumindest kurzfristig). Wir waren vom Gipfel in zwei Zweier-Gruppen gestartet, da einer noch etwas im Rucksack suchte. Die hintere Gruppe trennte sich dann nochmals weil einer der beiden etwas suchte. Wir liefen noch ein paar Meter weiter, stoppten dann aber um auf die anderen zu warten. Allerdings tauchte nur einer aus dem Nebel auf, mit der Begründung der anderer müsse mal noch eben was suchen. So warteten wir … und warteten … und warteten. Nach ca. 10 Minuten begannen wir uns zu wundern und begannen mit der Suche. Einer von uns lief zurück zum Gipfelsteinhaufen, der andere weiter und ich blieb stehen. Das blöde an der Sache: Der Freund, welcher verschwunden war, hatte ausgerechnet kein GPS dabei. Wir anderen hatten jeder ein Garmin-GPS mit installierter OS Karte und der GPX Route. Insofern konnte er auch nicht wissen, dass wir an dieser Stelle den Grat verlassen musste um zum Sattel im Westen kommen. Der Grat bog indes nach Süden weg zu einem Nebengipfel namens Sron Coire na h-Iolaire (955m). Wie so oft hatten wir jedoch Glück, denn der Verschwundene merkte selbst, dass es zum einen steiler bergab ging und zum anderen keiner mehr in der Nähe hörbar war und kehrte um. Auch die beiden Suchenden kamen alsbald zurück und so konnten wir weiter in Richtung Sattel Bealach Breabag. Dieser kleine Vorfall hatte gereicht um uns die Gefahren in dieser dicken Nebelsuppe klarzumachen.


Aufstieg zum Ben Alder

Wir liefen nun teils nach Geländekontur und teils nach GPS und querten den nicht sichtbaren Pfad welche den Sattel passiert und zum Benalder Cottage führt. Auf der Gegenseite ließ sich durch den Nebel ein steiler Anstieg erahnen. Es ging hinauf auf das Ben Alder Plateau. Nachdem wir die ersten 200 Höhenmeter hinter uns gelassen hatten, wurde es zunehmend flacher. Noch hielten wir auf den höchsten Punkt zu, und nach dem ersten Vorgipfel folgten wir dem Bergrücken nach NW.
Auf dem letzten Kilometer wurde jedoch das Gelände ebener und die Schneefelder größer. Nachdem wir merkten, dass wir recht nach an den östlichen Rand des Plateaus kamen und auch den Rand der Schneewächte erahnen konnten wurde uns schnell klar, dass es hier oben nur noch mit GPS weitergehen konnte. Die Sicht war noch geringer als auf Beinn Bheoil und bis auf die schwarzen Felsbrocken, welche ab und an herum lagen, sah man nichts als weiß. So steuerten wir stur dem GPS folgend und dabei mit möglichst großem Abstand zur östlichen Abbruchkante auf den Gipfel zu. Auch den kleinen See Lochan a’ Garbh Coire umgingen wir, sehen konnten wir ihn sowieso nicht, da er wahrscheinlich zugefroren und schneebedeckt war.


Diesmal blieben wir zusammen


Auf Ben Alder


Ohne GPS einfach nicht machbar. Definitiv nicht!

Schließlich sahen wir etwas Dunkles in der Entfernung und waren überrascht, als es der Gipfelsteinhaufen ein paar Meter vor uns war. Wir waren recht erleichtert den Gipfel gefunden zu haben und rätselten nun, ob wir weiter nach NW gehen sollten und dort in den Bealach Dubh absteigen sollten oder aber zurück bis zum Sattel und von da dem Pfad zur Culra Bothy folgen sollten. Wir entschieden uns für letztere Option und kehrten am Gipfel um. Das bedeutete auch, dass wir uns die fehlenden 4 Munros schenkten und auf relativ direktem Weg zurück zu den Zelten liefen. Der Gründe für eine Einkürzung waren vielfach. Zuerst das schlechte Wetter, denn noch immer herrschte Null Sicht bei kräftigem kühlen Wind um die 3 Grad und Nieselregen. Wir waren alle recht ausgekühlt und konnten nicht erwarten auf den anderen Gipfeln irgendetwas zu sehen.


Zeitgenössische Kunst auf dem Ben Alder? Neee, Nur mein Kumpel.


Ben Alder Gipfel. Wegen der schlechten Sicht entstand deshalb auch der Running Gag: Wo ist Ben, Alter?


Zurück am Sattel

Wir folgten unseren Spuren zurück bis zum Sattel und von da aus einem sehr nassen und teils schlammigen Pfad hinab zum See Loch a’ Bhealach Beithe. Hier angekommen war ich froh, das Gipfelplateau hinter mir gelassen zu haben. Da oben war es nicht unbedingt bedrohlich oder unheimlich, aber es fühlte sich ausgesetzt und auch etwas gefährlich an. Wenn nicht sichtbar ist, wo man hinläuft oder was vor einem liegt während man nass und kalt ist, ist nicht unbedingt angenehm. Ein kleiner Fehler oder ein Sturz kann da oben unangenehme Folgen haben.
Wir waren noch immer im Nebel, als wir plötzlich merkten, dass linkerhand kein Abhang sondern das dunkle Wasser des Sees lag.


Loch a’ Bhealach Beithe - irgendwo … da hinten


Am Loch

Das Wandern entlang des Lochs zog sich wie zuvor die Ridge dahin. Da wir das andere Ufer nicht sehen konnten, fühlte es sich wahrscheinlich sehr viel länger an, als es tatsächlich was. Der See erstreckte sich einfach ins Nichts.
Als wir ans nördliche ende des Sees gelangten, fanden wir einige schöne Schneebrücken über den Fluss. Glücklicherweise bestand keine Notwendigkeit diese zu queren, aber aufgrund der Schneemassen muss in diesem Winter einiges an Schnee hier oben gelegen haben.


Schneebrücke über den Fluss/Bach.


Ein größeres Schneefeld und einige Bergtrolle


Ein schönes Bild vom schüchternen Ben Alder


Unterhalb der Wolken


Fast wieder zurück


Die Bothy


In der Bothy. Schei** aufs Asbest aber hier ist es wenigstens trocken!


Das Dinner ist serviert. Außerhalb der Highlandtour würde ich das wahrscheinlich nicht anrühren, aber hier ohne Alternativen ist es einfach lecker.

Nun wurde die Sicht wieder besser und kurz danach konnten wir schon die Bothy in einiger Entfernung erkennen. Der Rest des Wegs ist nicht der Rede wert und als wir endlich zurück an den Zelten waren, entschieden wir uns dazu aufs Asbest zu pfeifen und uns wenigsten zum kochen in die Bothy zu verziehen.
Die Bothy ist wahrlich gemütlich und ich fand es sehr angenehm dort. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies ein Ort voller Lagerfeuergeschichten mit Whisky und einem Gefühl der Freundschaft ist. Ein Feuer hatten wir nicht (woher Holz für den Ofen nehmen), dafür aber Couscous und etwas Whisky und ein allerletztes Bier und nach etwas zwei Stunden zog es uns zurück zu den Zelten, wo wir wie schon zuvor auf besseres Wetter und eine gute Nacht hofften.


Candlelight Dinner.

2. Mai 2018

Sco2018 - Tag 1 - Die 3 Munros die wir echt sahen

Strecke: 23km
Höhenmeter: 1300m


Der Tag startete so gegen 8 mit dem Geräusch von Wind auf Zelt. Regen hingegen war nicht zu hören. Ein gutes Zeichen. Ich weiss nicht, wie oft ich mich in der Nacht im Schlafsack gedreht hatte und fast jedesmal hörte ich das Knistern von Nieselregen auf dem Zelt.
Insofern war ich echt überrascht, dass es nun trocken war. Der erste Morgen ist aber sowieso immer ein bisschen chaotisch, denn Körper und Kopf sind noch immer in der warmen Komfortzone des Schlafsacks und meist ist die erste Nacht im Zelt nicht so erholsam durch die ungewohnten Geräusche, die Enge und den Sägemüller im Schlfsack nebenan
Nach einer Weile des Wach-an-die-Zeltwand-starrens hörten wir Geräusche aus dem zweiten Zelt und machten uns so langsam tagfertig. Das geht in einem kleinen Zelt wie unserem Kaikialla eigentlich nur seriell. Schnell kochte jedoch etwas Wasser und wir konnten einen leckeren Instantkaffee geniessen. Das Frühstück bestand aus unserer üblichen Highland Kost: englisches Brot (nicht so schlecht wie sein Ruf), Käse und Schinken mit etwas Honig, sowie Porridge.


Der nächste Morgen ist nicht viel anders als der Abend zuvor. Wind aber kein Regen. Lochan na h-Earba.

Ein ferner Berg. Evtl Beinn a'Chaorainn

Nachdem wir Zelt und sonstiges Zeuch erfolgreich in die Rucksäcke gequetscht hatten starteten wir entlang des Baches, welchen wir am Vorabend flinken Fusses überquert hatten. Die Stelle war jedoch nun überflutet, da durch den Nachtregen der Pegel im Bach ein paar Zentimeter höher stand. So folgten wir am rechten Ufer bergauf und fanden bald eine Stelle an der wir queren konnten. Von da an war das Laufen einfach denn wir fanden einen 4WD track, der sich das Corrie (Tälchen) hinauf schlängelte.


Wir folgen dem Bach Allt Coire Pitridh


Weiter oben


Panorama vom Sattel


Blick zum Munro Beinn a’Chlachair

Vor uns sahen wir zwei Wanderer, augenscheinlich Vater und Kind aber sie waren zu weit entfernt für einen kurzen Smalltalk und bald den Blicken entschwunden. Sie waren die einzigen Menschen, die wir heute sehen sollten. Auf dem Sattel zwischen Creag Pitridh und Beinn a’Chlachair angekommen, versteckten wir unsere Rucksäcke. Ok, verstecken ist etwas hoch gestochen, wir legten sie windgeschützt an einen Fels. Von Diebstahl habe ich noch nicht gehört, obwohl sich in einem englischen Forum neulich berichtete, er hätte seinen Rucksack abgelegt um einen nahen Gipfel zu besteigen und wäre bei seiner Rückkehr sehr heftig von einem fremden Wanderer angegangen worden, wie er sein Zeuch einfach so herumliegen lassen könne. Der fremde Wanderer hatte sich nach eigener Aussage Sorgen gemacht wegen des verlassenen Gepäcks und wollte schon die Mountain Rescue rufen.
Darüber machten wir uns keine Sorgen sondern starteten Richtung Creag Pitridh, dem ersten Munro der Tour, der ungefähr 1km und 200 Höhenmeter entfernt war.
Bald standen wir auf dem ersten Munro der Tour und konnten den schönen Ausblick auf die umliegenden Berge, Täler und Seen genießen. Zur feier öffneten wir den ersten Whisky, einen Laphroaig Select und wedelten mit unserer mitgebrachten Fahne.


Creag Pitridh



Aussicht vom Gipfel


…

Creag Pitridh (924m) ist der niedrigste der 3 Munros in Umkreis von 2km, bietet jedoch die beste Aussicht, so dass wir ein Weilchen blieben und danach uns in Richtung Geal Charn aufmachten. Während Petrie fast schneefrei war, dauert es beim Aufstieg auf dem Geal Charn (1049m) nicht lang und wir querten das erste große Schneefeld und wenig später war alles schneebedeckt.


Aufstieg zum Geal Charn


Noch ein Blick zum Beinn a’Chlachair


Fast da


Auf der Spitze


Winter Wunderland


Der Munro Aonach Beag falls ich nicht ganz falsch liege


Abstieg durch den Schnee

Der Wind wurde auch stärker und so kraxelten wir hinauf zum Gipfel des Geal Charn. Hier war es ziemlich ungemütlich: Windig und recht kalt. So blieben wir nicht lange und wanderten zurück zum Sattel um unsere Rucksäcke aufzusammeln. Dort angekommen machten wir kurz Stop um die Aussicht auf das Loch a’Bhealaich Leamhain zu geniessen, dass eingerahmt von steilen Hängen vor uns lag. In der Ferne konnten wir auch das Loch Pattack erkennen und dahinter die runden Hügel des Cairngorms. Wir fanden einen Pfad, der nach Osten oberhalb des Loch entlang führte und folgten diesem für einen Kilometer, parkten dann die Rucksäcke erneut und machten uns auf den Weg zum dritten Munro des Tages.


Auf dem Sattel mit Blick aufs Loch a’Bhealaich Leamhain

Der anfängliche Anstieg zum Beinn a’Chlachair war steil aber ein kaum sichtbarer Pfad machte es einfacher. Das änderte sich als sich der Pfad (oder wir ihn) verlor kurz bevor wir das Plateau erreichten. Von hier aus mussten wir das weite Plateau queren das nichts anderes als ein weites Feld aus kleineren Felsbrocken war.
Nach einer Weile erreichten jedoch den Gipfel des Beinn a’Chlachair. Die Aussicht von hier oben war grandios. Vor allem nach Süden, denn dort sahen wir die Gipfel, die wir für die kommenden 2 Tage eingeplant hatten: Ben Alder, Geal Charn 2 und die restlichen Munros rund um die Culra Bothy.


Hinauf zum Beinn a’Chlachair


Auf dem Gipfel. Pitridh und Geal sind im Hintergrund zu erkennen

Der andere Geal Charn (es gibt 2 in dem Gebiet) und dahinter Ben Alder


Sonne!!! Wir haben wir Dich vermisst. Bitte … lauf nicht weg!


Und … weg ist sie.
Als wir schliesslich den Gipfel wieder verliessen, hatte der Wind ordentlich aufgedreht und blies uns förmlich zurück zu den Rucksäcken in nullkommanix.
Damit hatten wir die 3 Munros für heute geschafft und nun war es an der Zeit zu unserem Ziel, der Culra Bothy bzw einem Fleckchen Wiese im Umkreis, zu gehen. Die Bothy war noch ungefähr 6 oder 7 km entfernt und wir planten vorher, und zwar möglichst zeitnah noch einen Stopp einzulegen um ein sehr verspätetes Mittagssüppchen verbunden mit einem Käffchen zu trinken.
Der Pfad, dem wir bereits vom Sattel gefolgt waren, führte uns weiter runter bis zum Allt Cam Bach, wir fanden jedoch keine geschützte Stelle, wo wir für ein Stündchen vor Wind geschützt gewesen wären. Noch regnete es nicht, aber über Loch Pattack sahen wir den weißen Vorhang eines Regenschauers gefolgt von einem herrlichen Regenbogen.


Regenbogen über Loch Pattack

Die Größe des “kleinen” Bächlein Allt Cam überraschte uns dann doch etwas. Hier war nix mit “über-die-Felsen-hopsen”, sondern wir erkannten, dass wir diesmal nasse Füße gebucht hatten. Also Wanderstiefel aus und je nachdem was jeder dabei hatte in Sandalen, Joggingschuhe oder barfuß den Fluß gequert. Natürlich war das Wasser trotzdem eiskalt.


Beim Furten das Flüsschens … vielleicht fällt ja etwas Material für ein nettes FAIL Video ab


Das ist genug Kneipp-Kur für ein ganzes Jahr


Allt Cam

Die geplante Kaffeepause mussten wir streichen. Zwar schleppte ich noch einen Topf mit Wasser für einen Kilometer den Weg entlang aber der Weg, welcher hinab zum Loch Pattack führte, war ungeschützt und ausgesetzt. Letztendlich kippte ich das Wasser weg und wir wanderten die letzten Kilometer zur Culra Bothy.
Die Warnung “BOTHY CLOSED! ASBESTOS!”, auf alle Türen mit weißen Großbuchstaben geschrieben, hielt uns davon ab, in der Bothy zu übernachten. Wir warfen trotzdem einen Blick hinein. Nett. Später sollten wir noch mehr Zeit in der Bothy verbringen…
Die Zelte waren schnell aufgebaut und wir verkrochen uns hinein um den Regen, der kurz vor Erreichen der Bothy eingesetzt hatte, auszusitzen. Nach einer Weile vergeblichen Wartens hockten wir dann alle im großen Zelt um einen Topf leicht angebrannter Nudeln versammelt. Nach einem Schluck Whisky (diesmal einfacher Famous Grouse) legten wir uns dann bald hin und hofften auf besseres Wetter für den morgigen Tag, an dem wir eine Runde über 6 Munros geplant hatten.


An der geschlossenen Culra bothy. Ok, die Türen sind offen, aber die Warnungen eindeutig.


Etwas Sonne


Nudeln im Zelt

1. Mai 2018

Sco2018 - Tag 0 - Anreise ins Glen Spean

Unsere Tour begann mit einer langen Fahrt nach Berlin Schönefeld da Berlin Brandenburg International noch immer nicht eröffnet ist. Schönefeld ist kein schöner Flughafen, dass muss man eingestehen, da er für den geringen Flugverkehr der kleinen DDR ausgelegt war und inzwischen ein reines Provisorium ist. Nun ja, wir sind es gewohnt, da fast jede Flugreise von Schönefeld beginnt.
Wie üblich gab es als verspätetes Frühstück einen Burger und ein Pint Guinness bevor unser Ryanair Flug nach Glasgow pünktlich abhob.


Himmel über Berlin

Der Flug war belanglos, unser Gepäck kam an, die Schlange an der Einreisekontrolle war auch schnell überwunden und so fanden wir uns am Mietwagenschalter wieder, wo es ebenfalls wie üblich darum ging die cleveren Offerten und versteckt angebotenen Zusatzversicherungen zu vermeiden. Die junge Angestellte gab sich alle Mühe uns den kleinen Kombi auszureden und uns einen Volvo V90 einzureden, der nur £24 pro Tag mehr kosten sollte. Eigentlich nicht schlecht, da die Kiste aber 5 Tage in den Highlands rumsteht, lehnten wir ab und nahmen den Golf Kombi dankend an.
Danach starteten wir und rollten nach Perth, wo wir zuerst in den Tesco einfielen und uns mit Lebensmitteln eindeckten: Wasser, Bier, Whisky, Brot, Couscous, Spaghetti, Schinken, Honig u.v.a.m. was ungefähr 4kg Zusatzgewicht für jeden Rucksack bedeutete. Danach führte uns der Weg zu Tiso, dem schottischen Outdoor-Ausstatter wo wir Gaskartuschen und eine Karte kauften. Dieses Jahr entschieden wir uns für die Harvey Ultramap 40 - Ben Alder Region. Dann hätte normalerweise ein Besuch bei Burger King in Inverness gefolgt, allerdings führt unsere Anfahrtsroute dieses Jahr nicht dort vorbei, so dass wir uns für einen McD in Perth entschieden. Dort gabs die Henkersmahlzeit und im Anschluss rollten wir auf der A9 in Richtung Dalwhinnie. Am Pass von Drumochter erwischte uns schließlich der Regen. Bei Dalwhinnie bogen wir ab und fuhren auf der A86 zum Loch Laggan an dessen westlichem Ende wir in einer Parkbucht parkten.


Bereit


Der Start. Wir folgten der unattraktiven Schotterstraße aber nur ein paar Meter

Bevor wir letztendlich starten konnten, fehlte noch das Verpacken der Lebensmittel in die Rucksäcke. Dann wurden die Zivilklamotten abgelegt, Wanderzeuch angelegt und es konnte losgehen. Ein paar Meter hinter der Parkbucht bog die Forststraße/Privatstraße zur Corrour Lodge am Loch Ossian ab, welcher wir folgten. Jedoch stellten wir prompt nach ein paar hundert Metern fest, dass wir falsch abgebogen waren. Also zurück und diesmal den richtigen Abzweig zum Lochan na h-Earba (See), an welchem wir campen wollten. Der Abzweig war durch einen LKW Auflieger verdeckt, so dass wir ihn komplett übersahen. Nach ein paar Minuten Laufens setzte auch der Regen wieder ein und wir mussten die Regensachen überwerfen. Nicht unbedingt der beste Start aber Ok, das hier war Schottland und nicht die Algarve. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage war ebenfalls nicht berauschend. Es waren Temperaturen zwischen 2 und 12 °C mit starker Bewölkung und Regenschauern angekündigt. Das sollte sich recht gut mit dem decken, was wir an Wetter erlebten.


Lochan na h-Earba am Abend

Je näher wir dem Lochan kamen, desto stärker wurde der Wind. Die Idee direkt am Ufer zu campen mussten wir verwerfen und suchten statt dessen einen möglichst geschützten Ort. Da Bäume und Büsche eher Mangelware sind, fanden wir einen Platz in einem alten ummauerten Schafpferch ungefähr so groß wie ein modernes Wohnzimmer. Die hüfthohen Mauern schützen uns jedenfalls vor Wind und als wir die Zelte aufgebaut hatten, wurde es bereits dunkel. Wir teilten uns ein Bierchen und legten uns dann hin.


Unsere Zelte in einem alten Schafpferch


Ein letztes Bier

30. April 2018

Sco2018 - Wohin solls gehen?

Dieses Jahr sollte es zum 8ten Mal für unsere jährliche Tour in die Highlands gehen. Wie üblich buchten wir bereits im Februar unsere Flüge mit Ryanair von Schönefeld nach Glasgow. Auch wie üblich waren wir damit der Zuneigung oder Abneigung von Petrus ausgesetzt, der wahrscheinlich … soviel sei verraten … uns dieses Jahr auf dem Kieker hatte. Zeitraum für Schottland war der 1. bis 6. Mai.
Ebenfalls wie üblich (ja, die jährlichen Wiederholungen zeigen langsam Wirkung) schauten wir auf unseren Munro Chart (eine Schottland Übersichtskarte mit allen Munro-Gipfeln und Markierungen welche wir bereits bestiegen bzw erwandert hatten). Trotzdem waren die Vorbereitungen in diesem Jahr bei weitem weniger ambitioniert als die letzten Jahre. Letztlich holte ich die Liste von Vorschläge aus dem letzten Jahr wieder hervor, strich die Option Loch Monar (siehe 2017 Tourbericht) durch und schickte sie in die Runde. Die Liste sah so aus:
  • Ben Alder und die umgebenden Munros
  • Glen Etive & Munros südlich des Glen Coe
  • Cairngorms - Lairig Ghru, Cairn Gorm, Ben MacDui und so weiter
  • Cuillins auf Skye- Tagestouren zu den Munros entsprechend den Walkhighlands Tagestourempfehlungen ohne die schwierigen Kleterabschnitte
  • ​ ​Cluanie Ridge, Glen Shiel nach Knoydart und Inverie
  • Beinn Dearg und die Fannichs bei Ullapool​,
  • Munros rund um Bridge of Orchy
  • Glen Lyon
  • Cairngorms südlich von Braemar
Anhand der Liste wird deutlich, dass wir uns nicht auf eine Streckenwanderung entlang der Glens (wie hier üblich) konzentrieren, sondern auf eine Runde in einem Gebiet mit möglichst vielen Bergen.
Am Ende einigten wir uns auf die Ben Alder Region. In diesem Gebiet zwischen Loch Ericht und Loch Treig gibt es schöne Munros und ich entwickelte eine Rundtour, die es uns ermöglichte relativ viele Berge zu besteigen, die schweren Rucksäcke in den Tälern zu lassen und so mit leichtem Gepäck über die Gipfel zu erreichen. Die Runde startete am Loch Laggan an der A86 östlich von Fort William, führte von dort zu Culra Bothy, weiter zum Loch Ossian und von dort über die Forststraße zurück zum Start. Die Tagesplanung der Munros sah letztlich so aus (und wurde natürlich unterwegs über den Haufen geworfen):
  • Tag 1: Creag Pitridh, Geal Charn und Beinn a'Chlachair
  • Tag 2: Ben Bheoil, Ben Alder, Carn Dearg, Geal Charn, Aonach Beag und Beinn Eibhinn
  • Tag 3: Sgor Gaibhre und Carn Dearg (Loch Ossian)
  • Tag 4: Wanderung zurück zum Parkplatz
Das war ca. 3 Wochen vor Start der Tour. Die verbleibende Zeit verging wie im Flug und irgendwie hatte ich noch nicht mal richtig Zeit mich auf die Tour zu freuen. Auch gab es bei der Crew eine Änderung. Unser Ältester Mitwanderer musste aussteigen, allerdings nicht gesundheitsbedingt, sondern weil sich seine Urlaubspläne überlappten. Dafür kam ein anderer Freund mit, der bereits 2012 mit dabei war und jedes Jahr mit seiner Regionalregierung daheim um die Urlaubstage kämpfte und dieses Jahr erstmalig wieder Erfolg hatte. Wahrscheinlich hat ihn unsere blumige Beschreibung über die Berge, Sonnenschein, weite Sicht mit tollen Panoramen überzeugt.
Ein weiterer Kumpel riß sich 6 Wochen vor Start noch irgend ein Band im Fuß, so dass er zwar mitkommen, aber die Touren auf die Berge ggf. Auslassen wollte.
Am Vorabend folgte das von mir ungeliebte Packen und so stand am Ende mein Rucksack mit 15kg Gewicht (ohne Zelt und ohne Nahrung/Wasser) in der Tür bereit.

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