8. Mai 2016

Sco 2016 - Tag 2 - Vom Glen Nevis über die Aonachs (Mor, Beag) zu den Grey Corries

Der nächste Morgen war nicht so strahlend und schön wie der vorherige. Es war spürbar kälter (aber nicht richtig kalt) und am Himmel war eine graue, dicke Wolkenschicht. Aber trotzdem, für schottische Verhältnisse doch noch recht gut denn immerhin regnete es nicht.


Ein grauer aber trockener Morgen

Nach einem kurzen Frühstück und dem Verpacken des ganzen Gerümpels in die Rucksäcke, startete wir und mussten erstmal die Drahtseilbrücke überqueren. Beim Packen hatten wir einige Personen gesehen, die das Glen heraufgewandert kamen und dann versuchten die Brücke zu queren. Die meisten kehrten aber wieder um, es war wahrscheinlich zu wackelig für sie. Für uns war es ein Spaß zuzusehen. Zwei von uns entschieden sich aber ebenfalls den Fluss wieder zu furten anstatt die Brücke zu nehmen.


Beim Queren der Brücke

Danach hielten wir uns gen Osten und wanderten das Tal hinauf bis wir nach ca. 1km die Steall Ruinen erreichten. Hier verließen wir das Glen und hielten uns nach Norden ins Hochtal zwischen Ben Nevis und Aonach Beag.


An den Steall Ruins


Schöner Wasserfall am Wegesrand


Das Hochtal zwischen dem Ben und Aonach Beag


Ein Blick zurueck ins Hochtal von ungefaehr 600m


Photosphere: Hochtal zwischen Ben und Aonach

Der ersten steile Anstieg aus dem Glen Nevis bis ca. 500m war doch recht schnell geschafft, trotzdem merkten wir bereits an dieser Stelle das zusätzliche Gewicht durch die schweren Rucksäcke, welches wir am Vortag nicht zu schultern hatten.
Nach dem steilen Stück am Anfang folgte ein wirklich schönes Hochtal auf ca. 550m Höhe in welchem sich ein großer Bach in großen Mäandern schlängelt. Am Ende des Tals folgte dann der zweite Anstieg von ca. 300 Höhenmetern. Dieser Hang zog sich gefuehlt ewig hin. Nach ca. der Hälfte legten wir eine erste Pause ein. Dabei überholten uns 2 Engländer mit welchen wir ein kurzes Schwätzchen hielten. Einer der beiden war ein geübter Wanderer. Gute Ausrüstung, er lobte das gute Wetter (kannte also schottische Verhältnisse) und fragte woher wir kommen und welchen Pfad wir einschlagen wollten. Er wollte mit seinem Freund aus dem Glen Nevis kommend auf den Carn Mor Dearg und dann über die CMD Arete auf den Ben. Sein Freund hingegen sah zwar fit aus, war aber eher der Sportler als Wanderer und staunte las er hörte, dass wir extra aus Deutschland für 5 Tage in die Highlands fahren um dort zu .... wandern und zelten (!). Er konnte es sich einfach nicht vorstellen, wie man diese Gegend eine Metropole wie London vorziehen könne. Offensichtlich war im der Gedanke, die lärmende, hektische Stadt für ein paar Tage hinter sich zu lassen und Ruhe in der Natur zu suchen, völlig fremd. Die Zwei stiefelten weiter und auch wir folgten bald und hatten irgendwann den Sattel (830m) zwischen Ben und Aonachs erreicht.


Der wirklich, wirklich, wirklich steile Pfad vom Sattel hinauf aufs Aonach Plateau

Vom Sattel hinauf aufs Aonach Plateau sollte eigentlich ein Pfad existieren. Eigentlich deshalb, weil hier oben noch so viel Restschnee lag, dass wir einen Pfad und ab und an sahen und dieser unter dem Schnee verschwand. Der Höhenunterschied hinauf zum Plateau betrug nur rund 250m, aber die hatten es in sich. Ohne Pfad stiegen wir zwischen kleineren Felsen, über Gras und Schnee hinauf und erreichten ermüdet und ausgelaugt das Hochplateau der Aonachs auf ca. 1100m.


Blick vom Aonach Mor nach Süden zum Aonach Beag


Photosphere: Aussicht vom Aonach Mor

Ermüdet erreichten wir ... ach, das hatten wir schon ... Wir ließen also die Rucksäcke liegen und flogen leicht wie die Vögelein hinauf zum Aonach Mor, der nur ca. 100 Höhenmeter und 800m entfernt im Norden lag. Trotz der Schneefelder (alter aber weicher Schnee), die wir zu queren hatten, war es verglichen mit dem beschwerlichen Aufstieg zuvor ein Spaziergang. Nur das fröhlich sonnige Gefühl, welches das phantastische Wetter am Vortag vermittelt hatte, das fehlte. Statt dessen hingen die Wolken grau und schwer am Himmel und es wehte ein beständiger, kühler Wind. Während des Aufstieg hatte es sogar leicht getröpfelt, so dass wir schnell die Regensachen übergezogen hatten. Die Aussicht war nicht mehr strahlend hell wie am Vortag, graue, braune und dunkle Töne herrschten vor.


Blick zum Aonach Beag

Der Aonach Mor war nur eine Stippvisite und so kehrten wir um und liefen zurück zu den Rucksäcken. Immer direkt vor uns thronte der mächtige Aonach Beag, der sich fast komplett in ein weißes Kleid hüllte. Nur im unteren Bereich gab es hier und da graue Bänder, die von Felsen hervorgerufen wurden. Aber die obere Hälfte war weiß. Während der Berg nach Westen eher gemächlich abfällt, ist die Ostflanke sehr steil. Hier gab es auch keine klare Kante, soviel war sichtbar, sondern das Schneefeld endete in einem Schneeüberhang, welches sicherlich gefährlich werden konnte, wenn man es betrat. So hielten wir uns beim Aufstieg möglichst mittig so dass wir in alle Richtungen noch genug Schnee sehen konnten. Im Falle eines Schneesturmes konnte es hier oben aber sicherlich nicht nur kalt und ungemütlich, sondern auch gefährlich werden.
Am höchsten Punkte (oder dem, den wir dafür hielten denn es gab keinen sichtbaren Steinhaufen) wandten wir uns in Richtung SO. Photosphere: Auf dem Aonach Beag


Blick nach Osten vom Aonach Beag


Wächten unterhalb des Aonach Beag


Zoom Photo auf die Wächte


Ein Blick zurück zum Aonach Beag


Beschwerlicher Abstieg

Nachdem wir endlich den Schnee zurück gelassen, dafür aber nasse Schuhe bekommen hatten, wanderten wir weiter in Richtung der Grey Corries nach Osten. Ein blick auf die Uhr zeigte, dass wir bereits deutlich länger unterwegs waren, als wir gedacht hatten und es langsam Zeit für eine Pause mit etwas Suppe und Tee wurde. Leider gab es hier oben keinen richtig geschützten Fleck so dass wir erstmal weiter liefen bis zum Stob Coire Bealaich. Unter einem kleinen Felsvorsprung pausierten wir, kochten etwas Wasser und genossen unsere verdiente Pause. Auch berieten wir, wie weit wir es wohl heute noch schaffen würden. Die gesamten Grey Corrie Ridge zu absolvieren war heut nicht mehr drin. Insofern hatten wir nur die Optionen abzusteigen bis in Tal um dort an einem schönen, ruhigen Fleck zu campen oder aber einen Ort etwas unterhalb der Ridge zu finden, der uns etwas Schutz und vor allem Wasser bietet.


Päuschen


Sgurr a Bhuic vom Stob Choire Bealaich gesehen


Die Grey Corries Ridge

Im Nachhinein betrachtet ist es fast unmöglich vom Glen Nevis aus über die Aonachs und Grey Corries in einem Tag zu wandern. Zumindest mit schweren Rucksäcken würde ich das als ziemlich beschwerlich und langwierig einschätzen. Als Tageswanderung ist es viel eher machbar. Auf der Suche nach einem geeigneten Camp fanden wir einen kleinen See/Tümpel unterhalb des Coire Easain in 3-4km Entfernung. Noch konnten wir die Stelle nicht einsehen, aber es sah zumindest auf der Karte ganz gut aus. Halbwegs flach, unterhalb eines kleinen Sattels gelegen und vor allem mit einem kleinen See daneben.
Bevor wir dorthin gelangen konnten, mussten wir aber noch ein Hindernis überwinden. Zwischen Unserem Standort am Stob Choire Bealaich und dem nächsten Gipfel auf der Ridge gibt es einen recht steilen Einschnitt, den wir hinab klettern mussten. Das allein wäre nicht so schwierig gewesen, aber der schmale Pfad, der sich über ein Geröllfeld hinab windet, war komplett unter einem Schneefeld verschwunden. Genau genommen war fast der gesamte Abhang mit einem breiten und recht steilen Schneefeld bedeckt, so dass wir ehrlich gesagt, mehr als Respekt hatten dieses zu überqueren. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir eine Stelle gefunden hatten, an der das Schneefeld schmal und etwas weniger steil war. Hier querten wir und stiegen dann schräg am Hang über nasses Gras und Felsen hinab. Es blieb nicht aus, dass einer unserer Freunde ins Rutschen kam, aber außer einer nassen Hose passierte nichts weiter. Der tiefste Punkt des Sattels (731m) war irgendwann erreicht und mit einer gewissen Ehrfurcht blickten wir auf die Gipfel vor uns und vor allem auf die, welche bereits hinter uns lagen.


Ein Blick zurück zu den Aonachs vom Sgurr Choinnich Beag

Der Pfad hinauf zum Sgurr Coinnich war aber recht angenehm zu laufen. Nicht zu steil, immer über Gras mit schönen Aussichten zu den Grey Corries. Der Himmel war jedoch noch immer Wolkenverhangen und man konnte nicht sicher sein, ob es nicht vielleicht doch gleich anfängt mit regnen. Der zweite Gipfel danach war jedoch nochmals 130m höher und hier oben wurde die Ridge auch wieder schmal mit einer steilen Flanke nach Norden. Hier oben begannen auch Schneeverwehungen, welche meist den schmalen Bereich zwischen Pfad und Abhang bedeckten. Das klingt gefährlicher als es war, sorgte aber umgehend für ein nasses Gefühl in den Schuhen.


Die Aonachs


Grey corries direkt voraus


Sgurr Choinnich Mor


Durch den Schnee

Ich beim Versuch auf dem Allerwertesten den Hang hinab zu rutschen --> Funktionierte nicht, da es nicht steil genug war

Nach dem letzten Munro des Tages hatten wir unser geplantes Camp erreicht und suchten nach einem schönen Fleck am See. Zu unserer Überraschung war jedoch ein Großer Teil des Sees noch von Schnee bedeckt und auch direkt an den Ufern sah es nicht so einladend aus. Trotzdem wollten wir mangels Alternative hier bleiben und schlugen die Zelte etwas entfernt vom Wasser nahe eines kleinen Abhangs auf. Das hatte den Nachteil, das wir recht ungeschützt dem Wind ausgesetzt waren, allerdings war die Stelle eben und recht trocken. Hier oben bemerkten wir recht schnell die Anstrengung des Tages. Müde und geschafft machte uns der kühle Wind zu schaffen und recht schnell zogen wir uns ins Zelt zurück, wo wir sogar (in der Apsis) den Reis fürs Essen kochen mussten, da es draußen trotz Windschutz zu sehr wehte.


Unser Camp unterhalb des Sgurr Choinnich Mor


Photosphere: Rundblick vom Camp

7. Mai 2016

Sco 2016 - Tag 1 - Ring of Steall (die erweiterte Runde)

Als wir früh die Köpfe aus den Zelten steckten, war es draußen ein wundervoller Morgen. Die Sonne schien bereits (die Zelte lagen allerdings noch im Schatten), es war warm und der Wasserfall rauschte vor sich hin. Ein idealer Tag also um den "Ring of Steall" zu wandern, eine ringförmige Tour über 4 Munros in den Mamores südlich des Glen Nevis.


Ein neuer Morgen unterhalb des Ben Nevis


Falls of Steall

Photosphere: Falls of Steall

Nach einem kurzen Frühstück in diesem malerischen Tal konnten wir schon die ersten Tagestouristen ausmachen. Unser Camp war vielleicht nicht so ideal gewählt, da es ca. 50m neben dem Pfad vom Parkplatz zum Wasserfall war. Und während wir noch Kaffee und Porridge genossen, kamen schon die älteren Pärchen in Sicht.
Wir ließen die Zelt und schweren Rucksäcke zurück und machten uns mit leichtem Gepäck (Wasser, Futter, Regenzeuch) auf die Tagestour. Abends wollten wir an diesem Fleck nochmals campen, so dass es keinen Grund gab abzubauen.
Das erste Hindernis tauchte denn auch gleich auf. Der kleine Bach oder Flüsschen, welches vom Wasserfall kommt, war grade einen Tick zu breit und zu tief um drüber zu springen oder mit Wanderstiefeln zu furten. Direkt unterhalb des Falls fanden wir dann aber doch noch eine Stelle, wo wir über glitschige Steine ans andere Ufer hüpfen konnten.
Hier entdeckte ich dann auch zu meiner unbändigen Freude, dass Schottland und meine Kameras eine Love-Hate Beziehung haben (zur Info: 2013 - Kamera durch Kondenswasser nass --> Blitz kaputt; 2014 Kamera auf dem Rückflug verloren). Jetzt hatte sich das Objektiv meiner Sony a5100 dazu entschlossen, sich zu verklemmen. Einfach so. Es blieb auf halbem Wege stehen, danach gabs keine vor und zurück mehr. Yeah! Photos konnte ich so keine mehr knipsen. Ich fühlte mich sofort an den Alaska Bericht von Mortias erinnert. Aber ganz so weit wollte ich es nicht kommen lassen und beschloss den Urlaub trotzdem zu genießen und die Bilder eben mit dem Telefon zu knipsen. Das ist zwar kein vollwertiger Ersatz aber zumindest konnte ich die Erinnerungen festhalten. Einige Weitwinkelaufnahmen hab ich denn daheim am Rechner zusammengestitched.


Ein Blick zurück

Vom Wasserfall folgte der lange Anstieg hinauf zum An Gearanach und der war wirklich laaaaang. Irgendwie ist der erste Anstieg auf einer Tour immer der längste. Der Gipfel war der erste Munro der diesjährigen Tour und entschädigte für die Mühen. Die Aussicht war einfach phantastisch (und das werde ich noch öfter schreiben...). Auf der anderen Talseite thronte der mächtige Ben Nevis über allem, rechts davon die Aonachs (Mor und Beag). weiter im Osten, Süden und Westen waren all die anderen Gipfel der Mamores zu erkennen, von denen wir einige heute noch erklimmen wollen. Aber das Beste war trotzdem der Sonnenschein. Verglichen mit den letzten Jahren als wir durch Regen, Schnee, Nebel und Wind gelaufen sind, war das hier einfach nur phantastisch.


The Ring of Steall

Photosphere: Ausblick vom An Gearanach

Der Tourenbeschreibung des "Ring of Steall" folgt nun der Ridge/Kamm zum Stob Coire a Chairn, den wir wenig später erreichten. Kurz nach dem Start hatten uns zwei Mädels überholt, die mit leichtem Tagesgepäck den Berg förmlich hinauf flogen. Gerade als wir oben ankamen, zogen sie schon weiter.
Auf dem Stob war es nun Zeit eine Entscheidung zu treffen, wie wir die Tour weitergehen. Wir hatten die Wahl, ob wir nach Osten zum Munro Na Gruagaichean und dann östlich ins Glen Nevis laufen, oder aber den eigentlichen Ring of Steall weitergehen. Die Ostrunde schien etwas länger zu sein und bot auch nicht so schöne Blicke (glaubten wir zumindest), so dass wir uns für die Westrunde entschieden und dem Pfad zum Munro Am Bodach folgten.


Entlang der Ridge


Am Bodach kommt ins Blickfeld

Photosphere: die östlichen Mamores

Die Tour war bisher eigentlich ganz problemlos verlaufen (bis auf die Geschichte mit der Kamera, GRRR!) aber als wir am Fusse des Am Bodach ankamen, machte ich mir ernsthaft Sorgen wegen der großen und recht steilen Schneefelds, welches wir bei einem direkten Aufstieg zu überwinden hatten. Ein Umweg wäre zwar auch möglich gewesen, aber wir wollten es zumindest probieren. Winterausrüstung wie Steigeisen oder Eispickel hatten wir natürlich nicht dabei. Es war ja eine Frühlingstour und keine Winterexpedition.
Der Schnee war aber zu unserer Freude weich und wir sanken nicht allzu tief ein, so dass wir uns recht gut auf dem Schnee bewegen konnten. Zu unserer großen Erleichterung konnten wir also feststellen, dass wir damit auch die weiteren Tage wie geplant laufen konnten, denn auf den Aonachs und Grey Corries lag noch recht viel Restschnee.


Auf dem Am Bodach

Photosphere: Am Bodach


Blick nach West und Nord

Nach einem anstengenden Aufstieg erreichten wir den Gipfel Am Bodach und hatten auch hier wieder ... richtig, phantastische Ausblicke. Etwas entfernt konnten wir Kinlochleven am Loch Leven erkennen und direkt unter uns verlief der West Highland Way durch ein einsames Tal. Auch nicht schlecht, vllt wenn ich mal alt bin....
Der nächste Gipfel entlang des Kammes bzw des Rings war Sgurr an Iubhair, welchen wir wenig später erreichten. Phantastisch ... jaja, auch hier, die Aussichten. Diesmal konnten wir entlang des Corrie a Mahil ins Glen Nevis schauen, der Ben und die anderen Berge ringsum waren sowieso immer im Blickfeld. Ein blick auf die Uhr verriet uns, das wir noch ziemlich viel Tag übrig hatten und entschlossen wir uns kurzerhand den Ring of Steall zu verlassen und den etwas westlich liegenden Stob Ban noch mitzunehmen. Vom Sgurr an Iubhair gibt es eine steile Schlucht hinunter zu einem kleinen See/Lochan, dessen klares (und kaltes) Wasser in der Sonne glitzerte. Auf dem Rückweg von Stob Ban wollten wir eine kleine Pause einlegen.


Tief unten etwas Blaues und Stob Ban


Stob Ban und das Glen Nevis

Photosphere: Stob Ban und Bergsee

Während des langen Anstiegs hinauf zum Gipfel des Stob Ban fühlte ich mich erstmalig erschöpft. Bisher sind wir die Ridge nur so entlang geflogen, aber das fortwährenden Hoch/Runter/Hoch/Runter hatte doch an den Kräften gezehrt. Eine kleine Pause und zwei Müsliriegel später kam aber auch ich oben an, wo meine Freunde bereits eine kleine Schneeballschlacht auf einem der großen Schneefelder hatten. Und wieder: Aussichten ... Einfach nur grandios. Der WHW weit unten, sicherlich mit etlichen Wanderern, die sich heute in der Hitze die letzten Meilen nach fort William schleppten und sich schon auf ein kühles Pint freuten. Gegenüber der Ben, rechts davon und viel näher Sgurr a Mhaim und die Devils Ridge. Nur zwei Dinge waren in diesem Moment nicht ideal: 1. Meine vermaledeite Kamera und 2. Mein Durst, denn meine Flaschen hatte ich schon ausgetrunken und 3. (Ok, es waren 3 Dinge) Wir hatten den Whisky im Zelt vergessen. --> Positiver Nebeneffekt: Ich konnte ihn aber auch nicht versehentlich fallen lassen wie 2015 geschehen.


Aussicht vom Stob Ban

Photosphere: Ausblick vom Stob Ban

Wieder zurück vom Stob Ban machten wir tatsächlich am kleinen See, d.h. dem Lochan Coire nam Miseach, einen Stopp und füllten unsere Flaschen nach. Einem meiner Freunde war jedoch ein Schluck kühlen Wassers nicht genug und er wollte es sich nicht nehmen lassen im see zu baden. Also sprang er hinein und genoss das klare, kühle Wasser. Zumindest für ein paar Sekunden, dann war es doch zu kalt. Brrr!
Nach ein paar Minuten zogen wir weiter und folgtem dem ZickZack Pfad hinauf zur Devils Ridge. Die ist schön ausgesetzt aber doch recht kurz und wenig später standen wir schon auf dem Gipfel des Sgurr a Mhaim, dem letzten Munro des Tages. Hier trafen wir einen anderen Wanderer, der aber nicht an einem Gespräch interessiert war (sicherlich ein Deutscher ).


Endlich Abkühlung


Ein Blick zurück zum Stob Ban und dem kleinen Pool


Aussicht vom Sgurr a'Mhaim

Photosphere: Auf dem Sgurr a Mhaim

Auf dem Sgurr taten wir das übliche ... Aussichten genießen, einen Riegel einwerfen, uns ärgern, dass wir den Whisky vergessen hatten. außerdem diskutierten wir, wie wir nun am besten zu den Zelten zurück gelangen könnten. Eine Option war es der Ring of Steall Route weiter zu folgen. Dann wären wir aber im Glen Nevis recht weit westlich rausgekommen und hätten der Strasse nach Osten und dann dem Pfad zum Wasserfall für sicherlich 2h folgen müssen. Keine schöne Aussicht. Eine weitere Option war der direkte Abstieg zum Wasserfall bzw Zelt über ein Riesen-Schneefeld und danach durch steiles und wegloses Terrain. Die Höhenlinien auf der Karte waren dicht, aber nicht zu dicht. Felsen waren einige eingezeichnet, aber es sah machbar aus. Das große Schneefeld an der Nordflanke des Sgurr wollten wir aber nicht direkt queren, dafür war es zu gefährlich speziell, da wir nicht wussten, ob es Wächten gab. Wir folgten also dem NW Grat bis hinab auf 850m und querten dort das nun schmalere Schneefeld recht problemlos in Richtung NO. Ein paar Mal sackten wir etwas tiefer ein, aber das war kein Problem.


Abstieg vom Sgurr a'Mhaim


Ein Blick hinab ins Glen Nevis


Schneefelder
Von hier aus folgten wir weglos einem NO Kurs und umgingen hier mal ein Felsband und dort eine steile Stelle, hatten aber im Großen und Ganzen keine Schwierigkeiten. Von 800m bis hinab auf 500m war das Laufen einfach, tiefer wurde das Heidekraut höher und die Vegetation dichter. Die letzten 300 Höhenmeter bis zum Zelt mussten wir einen Laubwald durchqueren, welcher teils steil mit hohem Gras war und die eine oder andere Rutschpartie zur Folge hatte. Unweit der Zelte an der Drahtseilbrücke erreichten wir das Tal.

Mit einem Bad im Flüsschen und einem Schluck Whisky feierten wir den schönen Tag und machten dann aus herumliegenden Holz noch ein kleines Feuerchen an welchem wir den Tag ausklingen ließen.


Aonach Beag in Hintergrund, vorn unser Weg nach unten

Abend im Glen


Lagerfeuerromantik

5. Mai 2016

Sco 2016 - Vorbereitung und Anreise

Vorbereitung

Wie jedes Jahr stand im Mai unsere jährliche Schottland-Wandertour an und weil ich das wieso, weshalb, warum in den anderen Berichten schon ein paar Mal beschrieben habe, kürze ich dieses Mal ab und komme direkt zur Planung.

Die Vorbereitungsphase dieses Jahr war bedingt durch ziemlich viel arbeitsbedingten Stress recht knapp und wir haben es bis 2 Wochen vor Tourbeginn gerade mal geschafft Flüge und Mietwagen zu buchen. Dann wurde an einem lauschigen Abend im April das Gebiet und die Route grob abgesteckt. Entgegen der Suche nach abgeschiedenen Regionen wie in den letzten Jahren wollten wir dieses Jahr in das Gebiet südlich und östlich des Ben Nevis.

Der Plan war:
  • Tag 0 - Anreise ins Glen Nevis 
  • Tag 1 - Mamores, Ring of Steall 
  • Tag 2 - Aonach Mor und Aonach Beag, dann weiter zu den Grey Corries 
  • Tag 3 - Grey Corries beenden und die Munros am Loch Treig erklimmen 
  • Tag 4 - Rauswandern zur Corrour Station und bei Zeit noch den Munro dort mitnehmen 


Anreise

Nachdem wir nach einem unspektakulären Flug mit EasyJet in Glasgow gelandet waren, holten wir unsere zwei Mietwagen (zwei Vauxhall Astra) und fuhren damit nach Clydebank zu GoOutdoors und ASDA. Bei GoOutdoors kauften wir Gaskartuschen und die obligatorische OS Wanderkarte. Auch sonst hat der Laden für den Outdoor-Freund recht viel zu bieten allerdings verzichteten wir auf einen Großeinkauf. Zum einen hätten wir sonst nur noch mehr schleppen müssen und zum anderen ist jede Globetrotter Filiale besser ausgestattet.

Bei ASDA gleich daneben kauften wir die Lebensmittel und ... ganz wichtig ... Bier und Whisky für die 4 Tage. An Lebensmittel landete das übliche im Korb: Toastbrot, Nudeln, Reis, Couscous, Tütensuppen, Käse und Wurst, einige Äpfel, Porridge, etwas Chilisauce für den Geschmack, Honig, Tee und ein paar Kleinigkeiten. An Whisky gab es für die diesjährige Tour Famous Grouse Standard und The Famous Grouse Smoky Black. Ich weiß, es sind nur Blended Whisky und da noch nicht mal besondere, aber in den Highlands schmecken die trotzdem hervorragend.

Danach ... es war schon recht spät, da wir erst gegen 14 Uhr gelandet waren ... genossen wir die Fahrt entland des Loch Lomond hinauf nach Crianlarich, Tyndrum, Bridge of Orchy hinein ins malerische, wunderbare, traumhaft schöne Glen Coe. Ich schwärme so, da die Abendsonne die Berge rings um uns in ein schönes Licht tauchte. Hätten wir es nicht einigermaßen eilig gehabt, wäre wohl ein Photostopp nach dem nächsten fällig gewesen. So konnten wir uns zwar satt sehen, hielten jedoch nicht an und fuhren bis nach Fort William durch, wo wir zielstrebig zu den goldenen Bögen fuhren um uns für die kommenden 4 Tagen nochmal ordentlich Kalorien "anzufressen". Es ist immer herrlich anzusehen, welchen Kontrast man in einem Schnellrestaurant beobachten kann. Hier schottische Teenager, die Jungs cool die rotblonden Haare mit lässiger Justin Bieber Frisur unter einem Basecap versteckt, dort die zugehörigen Mädels die immer einen Tick zu kalt angezogen sind, aber schulter- und bauchfrei muss eben sein. Daneben ein junges deutsches Pärchen in nicht mehr ganz sauberen Outdoorklamotten von Jack Wolfskin, die wahrscheinlich grade den WHW beendet haben, da beide trotz recht kühler Temperaturen nur in FlipFlops unterwegs sind, sicherlich der Blasen wegen.


Rannoch Moor


Ins Glencoe


Glencoe

Nach der Stärkung mussten wir noch ein Auto in der Nähe des Bahnhofs abstellen. Angeblich gibts hier Langzeitparkplätze, aber ob die als solche ausgewiesen sind haben wir nicht gesehen. Letztendlich stellten wir den Astra auf einen öffentlichen Parkplatz mit Parkschein für 4 Tage (£8) ab. Danach fuhren wir ins Glen Nevis. Gerade auf den ersten 2-3 km ist es dort sehr touristisch erschlossen. Hotels, Campgrounds, Visitor Centre. Aber danach wird die Strasse schmaler und um einiges kurviger und nach ein paar Kilometern endet sie am Parkplatz, der im übrigen kostenlos ist.


Die Einheimischen im Glen Nevis

Hier endete die lange Anreise und wir packten die Lebensmittel um, schlüpften in Wanderklamotten, tranken ein letztes Bierchen (vor allem die Fahrer) und schulterten die recht schweren Rucksäcke. Direkt am Start des Pfads steht ein Schild, das wohl etwas einschüchtern soll "Danger of Death!" Wow. Angst! Und dazwischen ein deutscher Sticker #ARSCHVIELBIER. Mhhhh. Warum und Weshalb? Keine Ahnung aber ich musste etwas schmunzeln.


Ich will ARSCHVIELBIER!

Nach den ersten 15min Wanderung merkte ich, dass irgendwie mein unterer Rücken nass wurde. Der fruchtige Himbeergeschmack der die Nässe begleitete, ließ darauf schließen, dass etwas auslief. Und tatsächlich: Meine Nalgene Flasche, die ich ganz clever mit Himbeerlimo befüllt hatte, hatte ein Leck. Bzw. es war kein Leck, es war der Druck der ausperlenden Kohlensäure, der die Limo zum Deckel heraus drückte. Ein Drittel war bereits im Rucksack raus geflossen, so dass nun darin alles klebte. Glücklicherweise hatte ich alle Klamotten und anderen Sachen, die nicht nass werden sollten in Plastetüten verpackt, so dass sich der Schaden in Grenzen hielt.

Nach weiteren 30 min kamen wir an der Stahlseilbrücke unterhalb des Falls of Steall an. Darüber zu gehen oder besser zu schwanken, machte eine Menge Spaß. Hier im Umkreis von 100m wollten wir zelten. Leider war es inzwischen so dunkel geworden, dass wir ohne Kopflampen nichts mehr sehen konnten. Die Funzeln reichten zwar zum Weg ausleuchten, aber um sich einen Überblick über das Gelände zu verschaffen, waren sie fast zu schwach. Irgendwie fanden wir dann aber doch noch eine flache trockene Stelle direkt am Bach und konnten die zwei Zelte aufbauen.

Wenig später, es bereits weit nach 23 Uhr, konnten wir den langen Tag mit einem schönen Schläfchen beenden.


Eine unsrer Freunde hat etwas Höhenangst und bevorzugte es den Fluss zu furten anstatt die Brücke zu nutzen

29. September 2015

Sco 2015 - Video

Unterwegs habe ich hauptsächlich mit meiner SJ4000 Action Cam gefilmt und die Filmchen daheim mit dem MovieMaker zusammengeschnitten. Das Resultat ist hier zu sehen. Am besten in einem separaten Fenster öffnen und dort ansehen:



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